Individuelle Fahrwerksgeometrie

Diskutiere Individuelle Fahrwerksgeometrie im Mazda 6 Forum im Bereich Mazda6 und Mazda6 MPS; Ich habe gestern eine Aktion hinter mich gebracht, die mich schon länger interessiert hat. Das wollte ich Euch nicht vorenthalten, da ich es...
M6Schrauber

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Ich habe gestern eine Aktion hinter mich gebracht, die mich schon länger interessiert hat. Das wollte ich Euch nicht vorenthalten, da ich es wirklich eine Erfahrung fand.

Und zwar geht es um eine individuelle Einstellung der Achsgeometrie. Also nicht einfach Herstellervorgaben einstellen, sondern im Hinblick darauf, das Fahrverhalten zu verbessern.
Da stellt sich natürlich die Frage, wer sowas überhaupt macht. Die Werkstatt nebenan jedenfalls nicht.
Nun hatte ich schon vor längerer Zeit das Buch "Fahrdynamik in Perfektion" von Wolfgang Weber gelesen. Wolfgang ist Rennfahrer und Fahrwerksspezialist. Irgendwann habe ich ihm dann einfach mal eine Mail geschrieben. Denn warum sollte man zu irgendwem gehen, wenn man schon einen echten Spezialisten weiß.

Der Besuch bei Wolfgang war ein Erlebnis, das ich Euch nicht vorenthalten möchte. Insbesondere war es Erkenntnisreich.

Meine spezifischen Punkte bei meinem GJ waren folgende:
- vergleichsweise unruhiger Geradeauslauf (besonders bei höheren Geschwindigkeiten)
- diffuses Einlenkverhalten, wenig zielgenau

Das hatte ich Wolfgang auch so geschrieben. Er wollte dann wissen, was sich alles einstellen lässt. Leider geht nur die Spur vorne und hinten. Er meinte dann, ob ich am 01.06. Zeit hätte mal vorbei zu kommen. Gesagt, getan. Also bin ich vorgestern 450 km nach Vilshofen gefahren.

Bei Wolfgang angekommen deutete erstmal nichts auf Motorsport hin, außer einem Firmenschild mit WW-Motorsport. Aber Wolfgang kam schon aus der Werkstatt und begrüßte mich.
Er fuhr mein Auto dann direkt auf die Bühne, was mich etwas wunderte. Ich hatte erwartet, das er erstmal eine Probefahrt macht, um den Ist-Zustand festzustellen.
In der Werkstatt legte er dann erstmal an den Reifen die Hand auf. Natürlich hab ich gefragt warum und insbesondere warum er nicht fährt. Sein Kommentar dazu: Die Reifen sagen ihm alles darüber, wie das Fahrzeug auf der Straße rollt. Wenn er fährt, dann sind schon wieder zig Gummilager und Gelenke dazwischen, die den Eindruck verfälschen.

Direkte Feststellung nach Handauflegen (O-Ton): Die Hinterachse hat pervers Vorspur. Das Ding kann keine Kurve fahren.

OK, dann fingen die Messungen an. Dabei die nächste Feststellung: Kein High-Tech. Gemessen wird mit einfachen Punktlasern an den Rädern. Dazu Zollstock und Schiebelehren. Das wars. Also alles manuell.
Kommentar Wolfgang dazu: Wenn man weiß was man tut, dann ist man damit mindestens so genau, wie mit aktuellem High-Tech das ein Haufen Geld kostet.

Die Messung bestätigte, das die Hinterachse recht satt Vorspur hat.
Zum Thema Kurven fahren die Erklärung seitens Wolfgang dazu:
Wenn man Einlenkt, dann schwenkt das Heck leicht aus. Was jetzt noch nichts mit Drift oder ausbrechendem Heck zu tun hat. Es ist einfach normale Fahrphysik. Das Fahrzeug dreht sich quasi leicht in die Kurve ein. Die Vorspur an der Hinterachse verhindert genau das, wodurch das Heck beim Lenken nicht mehr mithilft. Dadurch fährt er schlecht Kurven und fängt an über die Vorderachse zu schieben. Letztlich ist ja genau das Verhalten von den Herstellern erwünscht. Wenn man sportlicher Fahren will natürlich genau nicht.

Kurzum, die Spur hinten wurde auf nur noch 1 Minute Vorspur pro Seite verstellt. Also fast keine Vorspur hinten.

Dann kam die Vorderachse.
Zu unserem Entsetzen war die auf leichte Nachspur gestellt. Wolfgang meinte, es kann sein, das es original mal 0-Spur war und durch das Setzen des Fahrwerks ist dann Nachspur daraus geworden. Wie auch immer, Nachspur geht gar nicht.
Wolfgang meinte sofort, das das das diffuse Einlenkverhalten erkärt und auch die Unruhe im Geradeauslauf.
Beim Einlenken gibt man eine Richtung vor. Das Fahrzeug beginnt in diese Richtung zu fahren und verlagert gleichzeitig das Gewicht auf das kurvenäußere Rad. Das steht durch die Nachspur aber etwas mehr geradeaus als die eigentliche Richtungsvorgabe war. Dadurch fährt das Fahrzeug dann auf einmal wieder geradeaus anstatt in die Kurve. Man muss korrigieren.
Zum Thema Unruhe: Das hatte speziell mit der Kombination aus Nachspur vorne und Vorspur hinten zu tun. Dadurch wollen die rechten Räder ja praktisch immer eine Rechtskurve fahren und die linken Räder eine Linkskurve. Nun kommen beim Fahren von Unebenheiten ja ständig Impulse ins Fahrwerk. Und durch die Radstellung reagiert er auf diese Impulse empfindlich. Das ergibt dann so ein merkwürdiges Eigenlenken. Er fährt nie ruhig geradeaus.

Vorne wurde dann auf 5 Minuten pro Rad Vorspur eingestellt.

Danach ist Wolfgang erstmal eine Proberunde gefahren. Ich auf dem Beifahrersitz. Nun ja, in den ersten Kurven krampfte es schon mal ein wenig. Aber man merkt schnell, das da ein Profi am Steuer sitzt. Schön war, das Wolfgang immer vorher gesagt hat, was er gerade probieren möchte.
Also: Da vorne kommt eine lange rechts mit einer Welle. Die nehmen wir jetzt mal schnell, um zu sehen wie er auf die Welle regiert.
Oder: Die nächste nehmen wir voll am Gas. Mal sehen wie er darauf reagiert.

Man wußte zum einen was als Nächstes kommt. Zum anderen war so auch immer klar, worauf er gerade besonders achtet. Das war schon interessant.

Wolfgang war dann mit der Einstellung recht zufrieden. Er meinte, für die Größe und noch mit Kombiheck macht er das schon richtig gut. Kein übermäßiges Untersteuern, trotzdem gutmütig kontrollierbar. Nach der Einstellung auch ordentlicher Geradeauslauf, selbst über Unebenheiten keine großartigen Störeinflüsse.

Danach konnte ich dann mal alleine eine Runde drehen. Ich muss zugeben, das ich vor Ort gar nicht so recht in der Lage war, das Fahrverhalten zu beurteilen. Klar, Geradeauslauf und so merkt man. Aber Kurvenverhalten fiel mir schwer, weil ich dort ja auch keine Strecke kannte. Ich habe mich da letztlich auf Wolfgangs Urteil verlassen.

Die ganze Aktion hat ca. 1,5 Stunden gedauert.

Die Rückfahrt auf der Autobahn war dann schonmal sehr interessant. Das Ding liegt wie ein anderes Auto. In schnellen Autobahnkurven machte sich bisher immer schon ein leicht unsicheres Gefühl breit. Bei gleichem Fahrstil fühlt er sich jetzt völlig souverän an. Er liegt einfach und fühlt sich absolut sicher an.
Noch deutlicher wurde das Thema Geradeauslauf in Baustellen. Bisher habe ich immer ungerne in Baustellen LKW überholt. Durch die ständige leichte Unruhe war es schwer sauber die Spur zu halten. Jedenfalls war es anstrengend, weil man praktisch ständig am Korrigieren war. Jetzt fühlt sich das komplett anders an. Er rollt einfach alleine geradeaus. Da muss man nicht mehr großartig korrigieren usw.

Zu Hause konnte ich dann auch ein paar bekannte Kurven probieren. Erste Erkenntnis: Das bekannte Tempo ist jetzt nicht mehr schnell. Man kann immer nochmal eine ganze Ecke drauf legen.
Zweite Erkenntnis: Ich habe immer gedacht, meine Bridgestone sind einfach Holzreifen. Dem ist nicht so. Die Dinger können plötzlich viel mehr Grip aufbauen und funktionieren jetzt einfach.
Ich bin gestern praktisch ständig mit laut um Gnade winselnden Reifen um Kurven gefahren. Das war bisher gar nicht möglich. Bisher fing er an kräfig zu Untersteuern bevor von den Reifen irgendwas zu hören war. Jetzt kommt er kaum noch ins Untersteuern. Er ist eher neutral.

Einlenken ist jetzt ein völlig neues Thema.
Vorher war das eher folgender Ablauf: Einlenken --> warten wo er hin fährt --> korrigieren --> Kurve fahren
Jetzt ist es: Einlenken --> Kurve fahren
Keine Korrektur mehr nötig. Die vorgegebene Richtung wird auch genau so gefahren.
Daraus ergibt sich gerade natürlich ein komplett neues Fahrgefühl.

Jedenfalls finde ich, das sich die Abstimmung voll gelohnt hat, auch wenn die Einstellmöglichkeiten sehr eingeschränkt sind.
 
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Hallo M6Schrauber,
sehr interessant und beeindruckend, wozu ein solcher Profi in der Lage ist! Respekt!
Besonders eindrucksvoll finde ich die Beschreibung vom "Erstkontakt" mit deinem, also einem fremden, Auto. Und die Einschätzung ist richtig und die Einstellungen werden korrigiert und verbessert.
Ich sage immer, dass ich ein "Normalfahrer" bin, also kein Kurvenräuber oder so. Aber interessant ist das dann schon, wie sich das Fahrverhalten ändern kann!
 
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Hallo,

Danke @M6Schrauber für Deinen ausführlichen Bericht! Bei der Passage mit Überholen in einer Baustelle dachte ich "wow, er hat gerade mein Auto beschrieben". Ständig ungutes Gefühl und innere Unruhe nach dem Motto "in welche Richtung läuft mein Mazda eigentlich jetzt?". Somit scheint die Sache mit dem Fahrwerk auch bei dem Mazda 3 so richtig "toll" zu sein... Jetzt muss ich gründlich über einen Ausflug nach Vilshofen nachdenken....

Danke!
 
M6Schrauber

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Was das Thema Normalfahrer angeht:
Da gibt es durchaus unterschiedliche.
Ich würde mich auch als Normalfahrer bezeichnen. Ich fahre halt auch gerne mal zügig. Und ich bin an der Technik interessiert. Aber Rennstrecke ist nicht mein Thema.

Ich denke aber, der Bericht zeigt auch, das eine solche Abstimmung durchaus auch für Normalfahrer interessant sein kann. Gerade dann, wenn man durchaus Kritikpunkte hat, wie bei mind_explorer.
Das Problem ist meist, das man der Werkstatt halt nicht mit sowas kommen braucht. Meist kommt man dort noch nicht mal auf die Idee die Achsgeometrie zu überprüfen. Was jetzt sicher kein böser Wille ist. Man weiß einfach nicht um die Zusammenhänge.

Hinzu kommt die Auslegung der Fahrzeuge ab Werk. Wie gesagt, eine deutliche Vorspur an der Hinterachse ist durchaus erwünscht. Das führt zu mehr Untersteuern und das ist im Serienbau genau das gewünschte Verhalten. Das Auto soll nicht fahraktiv und kurvenwillig sein, es soll eine "sichere" oder leicht beherrschbare Abstimmung haben. Und stark untersteuernd ist insofern leicht beherrschbar, das er sich durch das Schieben über die Vorderräder von selbst stark abbremst. Es führt aber eben auch dazu, das die Kiste nicht mehr um die Ecke will.
An der Vorderachse passiert Ähnliches. Vorspur vorne führt zu zackigerem Einlenkverhalten. Was passiert ist praktisch das Gegenteil von dem was ich oben zur Nachspur geschrieben hatte. Also Einlenken, dann kommt die Gewichtsverlagerung zum kurvenäußeren Rad. Bei Vorspur steht das aber noch mehr in die Kurve eingeschlagen. Damit zieht er noch deutlicher in die Kurve hinein. Das ist im Serienbau aber eben u.U. gar nicht so erwünscht. Also stellt man 0-Spur ein.
Je nach Achskonstruktion kann aus der 0-Spur dann Nachspur werden, wenn sich das Fahrzeug mit der Zeit etwas setzt. Und damit hat man dann wieder die Unruhe im Fahrwerk.

Generell ist es empfehlenswert zumindest einmal im Jahr das Fahrzeug vermessen lassen. Die Werte können sich auch durch Bordsteine usw. leicht ändern. Mit den Werkseinstellungen erhält man zumindest das Serienverhalten zurück.
Ich habe mich jetzt entschieden, das gleich beim Profi machen zu lassen. Für die Zukunft habe ich damit die gewünschten Einstellwerte und kann damit auch zu einem normalen Messstand gehen.

Wenn man das erzählt dann könnte man auch meinen, es ist schon ein wenig bescheuert 450 km Anreise zu machen, nur für eine Achsvermessung. Wobei es ja schon etwas mehr ist. Ich werde diese Anreise aber zukünftig wohl mit jedem neuen Fahrzeug machen. Wobei man Wolfgang natürlich schon sagen muss, in welche Richtung man das Fahrverhalten haben will bzw. was einen stört.

Wolfgang fragte mich am Anfang, was denn die Mazda-Leute nicht hinbekommen würden. Ich hab nur gesagt, ich hab sie gar nicht gefragt und bin gleich zu ihm gekommen. Ich hab auch noch nie einen Werkstattmeister so fahren sehen ;)
 
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(..)

Wenn man das erzählt dann könnte man auch meinen, es ist schon ein wenig bescheuert 450 km Anreise zu machen, nur für eine Achsvermessung. Wobei es ja schon etwas mehr ist. Ich werde diese Anreise aber zukünftig wohl mit jedem neuen Fahrzeug machen. Wobei man Wolfgang natürlich schon sagen muss, in welche Richtung man das Fahrverhalten haben will bzw. was einen stört.

(...)

Für mich als Normalfahrer keinesfalls "bescheuert". Ich fahre zu 95% zurückhaltend aber will mich auf mein Fahrzeug verlassen können. Dazu gehört Verbindlichkeit und Geradeausluf.
 
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Dazu gehört Verbindlichkeit und Geradeausluf.
Verbindlichkeit ist gut formuliert. So könnte man auch das Verhalten in schnell gefahrenen Autobahnkurven bezeichnen.
D.h. jetzt. Vorher war das echt merkwürdig. Man konnte das gar nicht so recht als unruhiges Verhalten identifizieren. Es fühlte sich nur eben einfach nicht sicher an. Das hat sich jetzt ebenfalls komplett geändert. Dieses unsichere Gefühl ist komplett verschwunden.

Wolfgang meinte noch, fahrwerkstechnisch fährt er halt bei der LowSpeed-Dämpfung praktisch nur auf der Feder. Fast keine Dämpfung. Das soll ihn halt komfortabler machen. Führt aber bei langen Wellen zu etwas Nachschwingen. Ich persönlich mag das eigentlich nicht so. Ein neues Fahrwerk kommt aber nicht in Frage. Ich parke aktuell in einer Tiefgarage, wo er nicht mehr tiefer werden darf.
Ansonsten war er für ein völlig serienmäßiges Fahrzeug vom 6er durchaus angetan. Er meinte eben, der fährt so gut, wie es eben bei einem Fronttriebler mit der Größe und Gewicht geht.
 
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Wolfgang meinte noch, fahrwerkstechnisch fährt er halt bei der LowSpeed-Dämpfung praktisch nur auf der Feder. Fast keine Dämpfung. Das soll ihn halt komfortabler machen. Führt aber bei langen Wellen zu etwas Nachschwingen. Ich persönlich mag das eigentlich nicht so. Ein neues Fahrwerk kommt aber nicht in Frage. Ich parke aktuell in einer Tiefgarage, wo er nicht mehr tiefer werden darf.

Hallo,

die technische Erklärung nehme ich dem Wolfgang an der Stelle sofort ab... Er hat einfach perfekt das mir (von meinem Center-Line) bekanntes Verhalten beschrieben:

1) Diffuses und leicht konfuses Gefühl im Lenker (bereits besprochen, liegt an der Spureinstellung)
2) Kleine Unebenheiten werden nur durch Feder abgefangen und daher Nachschwingen (nicht wirklich schlimm)
3) Starkes Ausfedern bei richtig Gas geben (beim erstem Mal dachte ich nur "hääää, was soll der Quark? Das Fahrwerk ist doch recht präzise")
4) Eintauchen in schnellen Kurven, erst kommt die weiche Feder und dann merklich zu spät der unentschlossene Dämpfer. Es vermiest schon ziemlich das Set-up
5) Trotz der weichen Feder(n) leicht hölzernes Ansprechen auf Kanten... riecht nach einem zu großen Losbrechdrehmoment der Feder (vulgo: weich und billig oder langer Dämpfer und/oder große Reibung an der Stange)

Alles in allem schränken diese Kleinigkeiten - zugegeben Jammern auf hohen Niveau - ein gutes Fahrwerk etwas ein. Interessanterweise verschwinden Einige dieser Punkte bei voller Beladung auf richtig schlechten Straßen. Einmal (vollbeladen) sah ich mich gezwungen einen richtig tollen Caddy-Fahrer mit nicht erfüllten Sportambitionen auf einer miesen Straße zu überholen... Trotz Löcher und Spurrinnen fuhr der Mazda wie auf Schienen und das Lenkrad lag plötzlich sehr verbindlich in der Hand.

So betrachtet scheint die ganze Sache einer universellen Einstellung eines guten Fahrwerks geschuldet zu sein... oder einfacher gesagt globale Produktion: ein Mazda soll auf allen möglichen Straßen gut abschneiden....

Ansonsten war er für ein völlig serienmäßiges Fahrzeug vom 6er durchaus angetan. Er meinte eben, der fährt so gut, wie es eben bei einem Fronttriebler mit der Größe und Gewicht geht.

Schön, dass meine subjektiven Eindrücke von einem Profi bestätigt werden. Vielleicht könnte eine neue Feder-Dämpfer Kombination, ohne den Bock gleich tiefer zu legen, Hilfe verschaffen? Wäre aber nicht gerade billig...

Grüße

PS In diesem Sinne Danke nochmals für Deinen ausführlichen Bericht.
 
M6Schrauber

M6Schrauber

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Naja, Koni FSD könnte man einbauen. Im Prinzip würden auch gelbe Koni mit der Serienfeder gehen.
Aber vielleicht werde ich auch die Tiefgarage auf längere Sicht los ;)
Dann gibts ne Tieferlegung.
 
mumpf

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Neuling
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Und was hat der Spass den so gekostet wenn man fragen darf?
Gruß Stephu
 
M6Schrauber

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Ich habe 200 Euro bezahlt.
Eine normale Vermessung kostet etwas unter 100 Euro. Für das individuelle Setup in meinen Augen nicht zu viel verlangt. Und man bekommt ja die neuen Werte mit, sodas man das jederzeit reproduzieren kann.

Ich muss sagen, das ich gerade mein Auto neu entdecke. Kurven fahren hat noch nie so viel Spaß gemacht ;)
 
mumpf

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Neuling
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Wow ja...da kannste nichts sagen.
Ich hab für meine Lenkgeometrie nach der Tieferlegung noch 150.- Sfr gezahlt. Das mit dem Hin und Her wackeln hat was...ich schob es immer auf meine breite Bereifung und den Spurrillen.
Gruss Stephan
 
driver626

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Sehr interessant, danke für den ausführlichen Bericht.
Da bin ich den zuverlässigen und kompetenten Partnern dankbar, die meine Fahrzeuge
stets gut behandeln und seinen Zustand bestmöglich erhalten.

Zustimmen muss ich dir bei der Empfehlung der jährlichen Überprüfung der Fahrwerkseinstellung.
Vor allem bei tiefer gelegtem Fahrzeug.

Und bei der Feststellung, dass eine gute Einstellung nicht nur etwas für Kurvenräuber o.ä. ist.

Leider sind viele Werkstätten und Reifenhändler unbrauchbar, haben entweder kein Interesse oder mangelnde Kenntnis.
Als Laie ist man dann als Kunde verloren.
 
driver626

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weils mir gerade einfällt, hier ein Nachtrag:
Beim M6 (GH, denke der GJ ist das nicht anders) ist Vorsicht bei der Vorspur angesagt!
Mit zuwenig Vorspur bekommt man das Problem, dass im beladenen Zustand oder bei schneller Fahrt (durch den Fahrtwind wird der Wagen auch ein paar mm tiefer gedrückt), dass diese sich dabei noch weiter verringert und dann negativ wird.
Das hatte ich an der VA, wo sich dadurch die Reifen an der inneren Seitenflanke weg gerieben haben.
Lieber 2-3 Minuten mehr Vorspur, und damit satten Geradeauslauf, wie einen extremen und ungleichmäßigen Verschleiß.

Dazu braucht die HA bei tiefergelegtem (und damit mit größerem Sturz versehenen) Wagen wenige Minuten mehr Vorspur für einen gleichmäßigen Reifenverschleiß.

Die Reifenbuden & Werkstätten stellen leider oft nur "irgendwie in den Toleranzbereich der Hersteller-Vorgaben" ein, damit
auf dem Protokoll alles Grün ist.
Ob dabei Differenzen rechts/links bleiben oder ob diese Einstellung so sinnvoll ist kümmert da keinen.
Wenn´s nicht passte kommt der Kunde halt früher zum Reifenkauf.
 
M6Schrauber

M6Schrauber

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Der Mazda hat (wie viele andere Fahrzeuge auch) serienmäßig an der Vorderachse 0-Spur.
An der Vorderachse kann daraus in der Tat schnell Nachspur werden. Ich hatte ja Nachspur vorne, die vermutlich entstanden ist, weil sich das Fahrwerk mit der Zeit gesetzt hat.
Nachspur vorne führt zu schlechtem Einlenkverhalten und nervösem Geradeauslauf.
Leichte Vorspur verbessert das Einlenkverhalten und lässt in trotzdem besser geradeaus fahren.

Bei der Hinterachse siehts etwas anders aus. Beim GJ (GH weiß ich nicht) ist die Konstruktion so, das die Einfederungstiefe die Spur kaum beeinflusst. Ab Werk hat der Mazda ordentlich Vorspur.
Das Problem mit Vorspur an der Hinterachse ist, das sie bei einem Frontantrieb dazu führt, das das Auto keine Kurven mehr fahren kann. Bzw. dies jedenfalls nicht gut tut. Den Unterschied erkennt man allerdings erst, wenn man mal eine andere Einstellung gefahren ist.
Ab Werk hat der Mazda etwas über 1° Sturz hinten. Das kann man noch relativ problemlos mit nahezu 0-Spur fahren. So habe ich es ja jetzt auch.
Wenn man durch Tieferlegung mehr Sturz hat, dann besteht in der Tat das Problem, das sich die Reifen einseitig abfahren können. Etwas Vorspur gleicht das aus. Aber man sollte damit eher sparsam sein.
Der Punkt ist, das Vorspur hinten einen Fronttriebler nicht wirklich besser geradeaus laufen lässt, aber sieht führt zu wesentlich mehr Untersteuern, was ihn Kurven schlechter fahren lässt. Deswegen ist da weniger eher mehr. Aber natürlich muss man zusehen, das man den Sturz ein Stück ausgeglichen bekommt.
Besser wäre allerdings eine Sturzkorrektur. Ich weiß allerdings nicht, ob es für den Mazda da was gibt.

Was die Einstellerei angeht, volle Zustimmung. Oft wird einfach irgendwie auf Toleranz eingestellt und dann ist die Gurke krumm wie sonstwas.
Ich hatte damals bei meinem Galant meine eigenen erfahrenen Werte. Die orientierten sich allerdings mehr an den Serienwerten. Ich hatte allerdings dann eine Werkstatt gefunden, wo ich bei der Vermessung dabei sein konnte. Da konnte ich darauf achten, das auch sauber eingestellt wird.
 
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Vielen Dank für die sehr ausführlichen Beiträge und Erfahrungsberichte. Ich persönlich empfinde das Fahrverhalten des GJ (Kombi) mit den 19ern recht normal, nicht anders als in anderen und vorherigen Wagen auch. Aber: das gilt nur, wenn der Spurhalteassistent ausgeschaltet oder auf späten Eingriff programmiert ist. In der Werkseinstellung (frühes Eingreifen) lenke ich doch öfters "gegen" den Assistenten, da der im Grunde ein Zickzack fährt - das bringt etwas Unruhe in die Lenkbewegungen (das System sagt mir ab und an auch "bitte Hände an das Lenkrad" obwohl sie dran sind, ich lenke wohl zu wenig auf der Geraden...). Insgesamt kann ich mich aber nicht beklagen, alles prima.
 
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Den Lenkeingriff nutze ich auch nicht. Es stört mich eigentlich nur, wenn er eingreift. Ich habe auch keine Einstellung gefunden, wo er wirklich nur eingreift, wenn man droht die Spur zu verlassen. Ich habe irgendwie immer das Gefühl, das er mitlenkt. Selbst wenn ich den Eingriff auf spät schalte.

Was das Fahrverhalten an sich angeht:
Der etwas unruhige Geradeauslauf kam in meinem speziellen Fall wohl von der Kombination aus Vorspur hinten und Nachspur vorne. Das kann natürlich bei anderen Autos anders sein. Zumal ich auch bei meinem davon ausgehe, das es ab Werk nicht so war. Das Problem ist, das sowas meist schleichend kommt. Damit nimmt man das sich verschlechternde Verhalten nicht so wahr.
Das Thema Vorspur hinten führt halt zu mehr Untersteuern. Das dürften die meisten Fahrer als normal empfinden, weil heute praktisch alle Fahrzeuge so abgestimmt werden. Davon abgesehen merkt man das natürlich erst, wenn man sich dem Grenzbereich annähert, was die meisten Fahrer ebenfalls selten bis nie tun.
Das er Kurven etwas "steif" fährt, das dürften die meisten Fahrer ebenfalls kaum wahr nehmen bzw. als normal empfinden. Der Unterschied wird erst klar, wenn man es mal anders hatte. Und natürlich ist das auch vom persönlichen Fahrstil abhängig.

Ich bin recht empfindlich, was das angeht. Davon abgesehen hatte ich vorher ein sehr sportlich ausgelegtes Fahrzeug mit Heckantrieb. Der war wirklich auf sportliches Fahren ausgelegt, was allerdings eine Mittelklasse-Limo (also kein Sportwagen). Wenn man von sowas umsteigt, dann fällt einem die andere Auslegung natürlich extrem auf.
Ich bin jetzt zwar erstmal zwei Jahre so gefahren, sehen mich aber immer noch etwas nach dem Fahrverhalten des Vorgängers zurück. Natürlich kann man einen Frontantrieb kaum so fahren lassen, wie einen Heckantrieb, aber ich bin jetzt schon deutlich näher dran.
 
beaner

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Ich bin auch regelmäßig bei allen Arten von Fahrsicherheitstrainings dabei, kenne daher das Verhalten meiner Autos auch unter extremeren Situationen. Da muss ich sagen, fällt der GJ gegenüber meinem vorherigen Peugeot 508 (als GT aber mit spezieller Vorderachse) etwas ab, gerade im Slalom bei höheren Geschwindigkeiten schaukelt sich der Mazda etwas mehr auf. Das mag zum einen an der etwas komfortableren Abstimmung liegen (der Mazda ist trotz 19er etwas komfortabler als der Peugeot mit - breiteren - 18ern), zum anderen fühlt sich aber auch die Lenkung etwas künstlicher an, die Rückmeldung ist etwas entkoppelt. Sei´s drum, im Alltag fällt das nicht auf, da bin ich damit zufrieden.
 

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Die von M6 Schrauber beschriebenen "Probleme" hatte im mit meinem M3 Bm (Neufahrzeug) hab ihn dann beim Freundlichen nachjustieren lassen, 2x und war immer noch nicht zufrieden. Habe im März 2017 auf den BN gewechselt und habe erneut unruhigen Geradeauslauf und das Gefühl dass das Auto leicht nach rechts zieht. Ich bin am Überlegen, die Reise von mir in Österreich nach Vilshofen anzutreten, denn der Post von M6 klingt sehr vielversprechend.

Lg
Benji
 
M6Schrauber

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Ich kann es jedenfalls nur empfehlen.

Interessant in dem Zusammenhang ist, das die Einstellung vor dem Besuch bei Wolfgang Weber und auch danach innerhalb der von Mazda vorgesehen Einstellbereiche liegen. D.h. wenn eine normale Werkstatt die Vermessung macht, dann werden die nichts verstellen, weil sich alles innerhalb der Toleranz befindet.
Das liegt nun nicht an Mazda. Bei praktisch allen Herstellern sind die Toleranzen ähnlich weit gefasst. Es zeigt aber, das die Hersteller-Toleranzen durchaus extreme Unterschiede zulassen.

Noch ein weiteres Ding dazu:
Kurz nach der Einstellung musste ich auf einem Bordstein parken. Ein ziemlich hoher wohlbemerkt. Nun fahre ich eigentlich immer sehr vorsichtig solche Bordsteine hoch. Dennoch, danach fühlte er sich irgendwie komisch an. Vor allem in Kurven. Und das Lenkrad stand minimal schräg bei Geradeausfahrt.
Also hab ich nochmal einen Termin zur Vermessung gemacht. Die Werte von Wolfgang hatte ich ja. Und siehe da, hinten rechts war er um 10 Bogenminuten verstellt. An sich ist das nicht sehr viel. Merken konnte man es aber sehr deutlich. Übrigens, nach Mazda-Angaben war auch das noch in der Toleranz.
Warum sich das verstellen konnte, kann ich nicht sagen. Die Verstellung hinten geht ja über einen Excenter. Ist letztlich auch egal. Interessant war, das es mir sofort am Fahrverhalten aufgefallen ist.
 
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Der M6 reagiert sehr feinfühlig auf die kleinsten Veränderungen am fahrwerk, vor allem wenn es Differenzen re/li sind.
Und wenn man ein gewisses Gespür für Fahrdynamik hat spürt man das recht deutlich.

@Ma3Cop

du brauchst nicht extra nach Vilshofen fahren!
stelle dein Vermessungsprotokoll hier (oder im M3 Bereich) mal online und dann wirst du bestimmt brauchbare Tipps bekommen, was daran zu ändern ist.
Alternativ gibt es bestimmt auch bei euch fähige Vermessungs-Leute.
 
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mazda 6 gj ständig Unruhe im fahrwerk

,
Unruhiger geradeauslauf frontantrieb
, leichte nachspur geradeaus, vorspur mazda6
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